Daniel (rechs) hier mit einem Freund auf Facebok

Daniel Ashley Pierce: Rausgeworfen, weil er schwul ist

01.09.2014 > 00:00

© Facebook / Daniel Ashley Pierce

"Du weißt, dass ich dich liebe", beginnt Daniels Stiefmutter beschwichtigend in einem breiten amerikanischen Südstaaten Dialekt. "Und ich weiß, dass du schwul bist, seit du ein kleiner Junge warst", fährt sie fort.

In diesem Moment scheint das Video, dass nur den Ton erkennbar wiedergibt, zu zeigen, wie ein junger Mann sich als homosexuell outet und die Reaktion darauf offenbar verständnisvoll ist.

"Dann weißt du sicher auch, dass ich mir das nicht ausgesucht habe, sondern so geboren bin", entgegnet der 19-Jährigge Daniel Ashley Pierce, der in den nächsten Minuten des Videos eine der bittersten Enttäuschungen seines Lebens erleben sollte.

"Nein, so ist das nicht. Du kannst es leugnen so viel du willst. Ich glaube an das Wort Gottes und Gott schafft niemanden, der SO ist", startet sie deutlich aufgebrachter ihr Plädoyer.

Verzweifelt versucht Daniel seiner Stiefmutter zu erklären, dass es wissenschaftlich sogar fundiert ist, dass er es sich eben nicht einfach so ausgesucht hat, schwul zu sein.

"Du kannst bei deinem ganzen wissenschaftlichen Zeug bleiben, ich bleibe beim Wort Gottes", blafft sie ihn uneinsichtig an.

Dann legt sie nach und bricht Daniels Herz. "Da du dich ja nun entschieden hast so zu leben", betont sie stur, "wirst du nicht länger hier leben können. Wir werden dich nicht mehr unterstützen. Du musst irgendwo anders Leben. Ich werde es nicht zulassen, dass die Leute glauben, dass ich dein Verhalten unterstütze."

Was soll Daniel tun? Er reagiert zunächst trotzig, sagt, dass er dann eben auszieht. "Das zeigt, was du für eine Person bist. Das ist nicht sonderlich mütterlich", sagt er.

Der Ton wird schärfer, die Großmutter mischt sich ein. Dabei kommen verstörende Meinungen ans Licht: "Ich habe schwule Freunde, aber das sind nur Freunde. Aber ich will sowas doch nicht in der Familie."

Die Situation eskaliert. Der Vater kommt hinzu. Es folgen Schreie und Handreiflichkeiten. Der Vater kommt dazu, beschimpft seinen Sohn als "verdammten Schwulen".

"Du bist eine Schande", schließt der Vater das Video ab.

Die schockierenden Aufnahmen, die so oder so ähnlich vermutlich kein Einzelfall sind, erreichten über Youtube innerhalb von 4 Tagen über 5,1 Millionen Menschen.

Für Daniel, der wegen seiner sexuellen Orientierung von einer Sekunde auf die andere mittellos wurde und auf der Straße saß, wurde eine Fundraising-Petition gemacht, deren Erlös ihn die nächste Zeit über die Runden und auf die Füße bringen sollte. In wenigen Tagen spendeten Menschen aus aller Welt fast 100.0000 Dollar und Daniel rief auf der Petitionsseite dazu auf nicht mehr für ihn zu spenden, sondern für Obdachlose Jugendliche in Atlanta.

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