Das Wunder von Bern: Musical bricht Ticketrekorde

Das Wunder von Bern: Musical bricht Ticketrekorde

06.03.2015 > 00:00

© Stage

Zehn Wochen nach der Premiere bricht Das Wunder von Bern erste Rekorde. Dabei begeistert das Fußball-Musical Männer und Frauen gleichermaßen.

Deutschlands Musical-Hauptstadt Hamburg hat seit Ende letzten Jahres ein neues spektakuläres Musical im Programm. Neben dem Erfolgsmusical Der König der Löwen, das seit Jahren weltweit für Begeisterung sorgt, wurde das Theater an der Elbe am 23. November mit der Premiere von Das Wunder von Bern feierlich eingeweiht. Die gelungene erste Vorführung löste eine derartige Begeisterung aus, dass innerhalb der ersten zehn Wochen nach dem Start bereits 200.000 Tickets für das Musical verkauft wurden. Ein absoluter Rekord für eine deutsche Eigenproduktion von Stage Entertainment.

Das Erfolgsgeheimnis des Musicals könnte darin liegen, dass es Männer und Frauen gleichermaßen anspricht. Während Musicals wie Dirty Dancing und Mama Mia eher bei Frauen hoch im Kurs stehen, bietet das Wunder von Bern für beide Geschlechter etwas. Das Musical zum gleichnamigen Film von Söhnke Wortmann erzählt die Geschichte des unerwarteten Siegs der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1954 in Bern und ist somit eine Hommage an ein historisches Ereignis, das über den Sport hinaus eine besondere Bedeutung für die deutsche Geschichte hat. Somit kommt auch auf seine Kosten, wer sich nicht besonders für das runde Leder interessiert: Thematisch geht es um die Zerrissenheit der Deutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Das Musical erzählt von der Sprachlosigkeit und Unfähigkeit, über den Krieg zu reden und stellt außerdem die Sehnsüchte der heranwachsenden Generation in den Fokus. Die Beklommenheit dieser Szenen werden durch die komödiantisch und teilweise überspitzt angelegten Figuren gelockert. Die singende Putzfrau, die Chef-Trainer Sepp Herberger vor dem entscheidenden Spiel ins Gewissen redet oder die Frau des Sportreporters Paul Ackermann, die von Fußball nichts versteht. Das erscheint auf den ersten Blick klischeehaft und plump, ist in der Gesamtkomposition aber gut gemacht und durchaus unterhaltsam.

Ausgebuffte Technik und eingängige Melodien

Ein weiteres Highlight bietet das Musical mit seiner Bühnentechnik. Hier mischen sich herkömmliche Bühnenbild-Elemente mit moderner LED-Technik. Besonders gut kommt dies in der finalen Szene zur Geltung. Der Zuschauer verfolgt das legendäre WM-Endspiel in Bern aus der Vogelperspektive. Die Darsteller hängen an Seilen vor der LED-Wand und bewegen sich in perfektem Timing nach links und rechts, oben und unten. Doch auch fürs Ohr wird einiges geboten. Die Melodien sind eingängig, und die Texte wirken nicht gestelzt, sondern sind durch Dialekte nah an der gesprochenen Sprache. Die Beteiligung vieler Kinder-Darsteller macht Das Wunder von Bern zusätzlich zu einem echten Highlight. Auch wenn es sich thematisch von anderen Musicals abhebt, die mit singenden Löwen und tanzenden Katzen eher fantasievoll gestaltet sind, trifft es den Nerv des deutschen Publikums und bietet vor allem in einem Jahr ohne Fußballmeisterschaft die Gelegenheit, gemeinsam mit der Deutschen Mannschaft noch einmal Weltmeister zu werden.

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