Losgelöst feiern? Das wird ihnen und den Fans wohl nicht gegönnt

Gaucho-Tanz: Aus Fußballer-Spaß wird "Gauchogate" Shitstorm

16.07.2014 > 00:00

© Twitter

Millionen haben mitverfolgt, wie Miroslav Klose, André Schürrle, Mario Götze, Toni Kroos, Shkodran Mustafi und Roman Weidenfeller auf die Bühne am Brandenburger-Tor kamen.

Gebückt gehend sangen sie: "So gehen die Gauchos. Die Gauchos gehen so." Hüpfend und laut sangen sie: "So gehen die Deutschen, die Deutschen gehen so." Rasend schnell verbreitete sich das Video im Internet als Gaucho-Tanz oder Gaucho-Dance.

Dass einschlägige Medien dieses losgelöste "Ätschi-Bätsch" einer Mannschaft, die sich während der WM oftmals fairer als viele andere Mannschaften zeigte, zum Skandal machen würden, war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Aus einem eigentlich alten Fußballer-Scherz wurde das von diesen Leuten lange gesuchte Haar in der Suppe. Aus ein wenig Siegerhäme bei einer Sportveranstaltung wurde Rassismus und Überheblichkeit herausgelesen.

"Die Gauchos gehen gebückt, zwischen Niedergeschlagenheit und Demütigung, während Deutsche, aufrecht wie Hermann, der Cherusker, den Pokal gen Himmel strecken", schreibt die FAZ und ignoriert offenbar die Tatsache, dass es immer noch um eine Sport-Party geht und nicht um ein politisches Statement.

Doch diese Deutung findet Anklang im Netz. Immer mehr sind der Meinung, solche Späße gingen zu weit. So manch einer traut es den Argentiniern nicht zu, diesen kleinen Seitenhieb sportlich und mit Humor zu nehmen.

"Das war dann wohl das Paradebeispiel wie man Arbeit gegen Rassismus in 5sec zunichtemacht und Glaubwürdigkeit verliert!", schreibt eine Frau bei Twitter über die Nationalmannschaft, dessen Spieler Namen wie Özil, Boateng, Mustafi, Khedira und Podolski tragen.

Andere gehen nicht ganz so weit, sind aber dennoch der Meinung, man soll den Verlierer nicht weiter demütigen. Wir erinnern uns: Es geht hier nur um Sport.

Doch die Stimmen der Gegner und der Fans des Gaucho-Tanzes sind genauso laut.

"Nur wir Deutschen schaffen es, aus einem lustigen Lied eine Staatsaffäre zu machen", schreibt jemand bei Twitter. "Im Gauchos-Song Rassismus oder Respektlosigkeit zu erkennen, sagt mehr über den Empfänger als den Sender aus", kritisiert jemand anderes die "Gauchogate"-Affäre.

Am Ende ist es nur ein uralter Fußballer-Gag, der seit Jahren so gemacht wird, nur mit dem Unterschied, dass die Mannschaft dieses Mal den Pokal gewonnen hat.

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