Harald Fassanelli packt aus

Harald Fassanelli: "Big Brother hat mein Leben zerstört"

02.10.2013 > 00:00

© Feuerblau

Eigentlich wollte Harald Fassinelli bei "Big Brother" aufklären: über seine HIV-Erkrankung und seinen Umgang damit. Er wollte zeigen, wie er wirklich ist - und seine glückliche Beziehung mit Ehemann Carlos.

Als "Big Brother" damals bei ihm anfragte, ob er nicht dabei sein will, stand für Harald fest, dass er seinen Mann mit ins Haus nimmt. Er wusste zwar nicht, was auf ihn zukommen würde, doch vom Guten an der Sache war er überzeugt. Aber schon wenig später musste der extrovertierte Harald feststellen, dass ihm die Angelegenheit entgleitet.

Statt Aufklärung schürte "Big Brother" mit seinen übervorsichtigen Maßnahmen, die angeblich nur zur eigenen Sicherheit von Harald und Carlos veranlasst wurden, die Angst: bei den Bewohnern und bei den Zuschauern.

"Alle benutzten die gleichen Handtücher, doch wir bekamen plötzlich andere, in ganz anderen Farben, die auch nur wir beiden benutzen sollten. Angeblich gab es bei IKEA nicht mehr die Selben", erklärte Harald Fassanelli exklusiv gegenüber InTouch Online.

Integration? Fehlanzeige! Auch bekamen Harald und Carlos aus Sicherheitsgründen einen eigenen Haarschneider, sie durften an Challenges im Außenbereich nicht teilnehmen, weil es angeblich zu kalt für sie wäre.

Ein total falsches Bild entsteht vom Umgang mit HIV-Positiven. Die Mission der beiden scheitert kläglich.

Nach dem Auszug von Harald geht es Carlos im Haus körperlich immer schlechter. Carlos selbst versucht sich zusammenzureißen. Doch Harald verlangt von den Verantwortlichen, dass er auszieht. Sein Bitten wird abgelehnt.

Wie uns Harald Fassanelli verrät, sollte seine Videobotschaft an Carlos versichern, dass alles in Ordnung sei. Eine Aufforderung zum Auszug durfte es nicht geben.

Als es endlich vorbei war, wurde es aber nur schlimmer. "Wir haben die Hölle durch! Big Brother hat unser Leben zerstört."

Harald und Carlos wurde auf offener Straße beschimpft, es gab sogar Morddrohungen. Sie wurden mit Flaschen beworfen, bespuckt und belagert. Jahrelang fanden sie keine Ruhe. Freunde und sogar Familienmitglieder wendeten sich ab. Nur der harte Kern hielt zu ihnen.

"Bei Big Brother wurden oft Szenen so zusammengeschnitten, dass ich als negativer Mensch rüberkam. Ich habe im TV quasi nur geraucht und geschimpft. Dabei habe ich mich die meiste Zeit nur gelangweilt."

Die Spitze des Eisbergs waren dann die Schlagzeilen zur angeblichen "Biss-Attacke" beim CSD. Die Presse sprach plötzlich von acht Menschen, die gebissen worden sein sollen.

Nun klärt Harald Fassanelli endlich über den Vorfall auf. "Ja, ich habe diesen Typen gebissen und beschimpft, aber nur, weil er mich angegriffen hat, mich würgte (es gibt Beweisbilder) und ich mich nur so wehren konnte. Ich will, um Gottes Willen niemanden anstecken."

Dass alles damals nur aufgebauscht wurde, beweist zumindest, dass es nie eine Anklage gab. Alle Anschuldigungen wurden fallengelassen.

Wie Harald uns erzählte, kamen die Beteiligten nicht einmal zu den Schlichtungsgesprächen, die damals veranlasst wurden.

Auch heute haben die beiden noch Angst auf die Straße zu gehen. Obwohl sie so selbstbewusst wirken, haben sie die Situation weit unterschätzt.

Könnten sie die Zeit zurückdrehen, hätte es "Big Brother" nicht für sie gegeben. Die Sendung hat alles für sie zerstört. Eine Zeit lang ist Harald nur noch "verkleidet" auf die Straße gegangen, so fühlte er sich sicherer, doch die Angst vor Übergriffen blieb.

Mittlerweile wurde bei Harald Fassanelli auch noch Borderline diagnostiziert. Die Therapie war aber erfolgreich, er kann nun ganz gut mit der Krankheit leben.

Heute hat er nur einen großen Wunsch: "Ich vermisse meine Familie sehr und hoffe, dass sie irgendwann wieder mit mir in Kontakt treten werden und mein Krankheitsbild einigermaßen verstehen."

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