Jürgen Domian: Die traurige Bulimie-Beichte des Kult-Talkers!

Jürgen Domian: Die traurige Bulimie-Beichte des Kult-Talkers!

12.06.2015 > 00:00

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20 Jahre lang lauschte er den Sorgen anderer und versuchte mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dabei gab es Zeiten, in denen er selbst ein offenes Ohr nötig gehabt hätte.

Jürgen Domian hat der "Süddeutschen Zeitung" gegenüber von seiner teils schwierigen Vergangenheit berichtet, auch eine Bulimie-Beichte kommt darin vor.

Der einfühlsame TV-Psychologe erinnert sich: "Bulimie war damals eine unbekannte Krankheit, deswegen schämte ich mich vor mir selbst. Ich hockte einsam in einer Wohnung ohne Telefon im sechsten Stock, hörte Schostakowitsch, las Camus, Kafka und Celan und fraß und kotzte."

Zwei Jahre lang litt er an der tückischen Krankheit und konnte sich selbst nicht mehr leiden. Bis er erkannte, dass er handeln muss: "Wenn Sie vor dem Klo knien und den Finger bis zum Anschlag in den Hals stecken, um kotzen zu können, verlieren Sie jegliche Achtung vor sich selbst. Dann las ich im Spiegel einen Bericht über eine Krankheit namens Bulimie. Und der Zufall oder das Schicksal wollte es, dass in dem Bericht eine Selbsthilfegruppe erwähnt wurde, die sich bei mir in der Nähe traf."

Doch die Gruppe half ihm nicht weiter, er zwang sich zu Konsequenz: "Es war wirklich das geballte Elend, mit dem ich da zusammensaß - und genau das hat meine Selbsterhaltungskräfte geweckt. Ich dachte, nee, zu denen willst du nicht gehören! Hinterher habe ich gesagt, jetzt kämpfst du, jetzt ringst du mit dir selbst bis zum endgültigen Sieg. Das war kein Kampf, das war ein Krieg. Ich zwang mich zur Selbstzucht und kaufte im Supermarkt nur noch die Mengen ein, die ein gesunder Mensch essen würde. Um nachts keinen Fressflash zu kriegen, schloss ich abends die Küchentür ab und brachte den Schlüssel in den Keller. Es dauerte ein Jahr, bis ich es geschafft hatte."

Von einem Rückfall hat Domian nichts gesagt. Bleibt zu hoffen, dass er die Krankheit wirklich endgültig überwunden hat.

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