Leelah wurde als Joshua Ryan geboren

Leelah Alcorn: Der bittere Abschiedsbrief eines 17-jährigen Transgender Mädchens

02.01.2015 > 00:00

© tumblr / Leelah Alcorn

Es ist die wohl traurigste Geschichte, die sich dieses Jahr über die Feiertage ereignet hat. Joshua Ryan Alcorn wurde am 28. Dezember in Warren County, Ohio von einem LKW überfahren.

Nur wenig später sollte die Welt erfahren, dass es sich dabei nicht nur um einen tragischen Unfall handelte, sondern um den geplanten Selbstmord von Leelah Alcorn.

Als Joshua Ryan sah sich Leelah schon nicht mehr, seitdem sie vier war, erklärt die Transsexuelle in einem Abschiedsbrief, der getimt war, um kurz nach ihrem Tod bei tumblr online zu gehen.

"Wenn ihr das hier lest, bedeutet das, dass ich Selbstmord begangen habe und es nicht mehr geschafft habe diesen Artikel zu löschen. Seid nicht traurig. Es ist besser so", beginnt Leelah ihren langen Abschied.

Schon mit vier Jahren hatte sie das Gefühl, dass etwas nicht richtig ist, dass sie eigentlich ein Mädchen ist. Um nicht aufzufallen, tat sie weiter Dinge, die man von Jungs eben erwartet.

"Mit 14 erfuhr ich, was 'Transgender' bedeutet und hab vor Glück geweint. Nach 10 Jahren der Verwirrung verstand ich endlich, wer ich war", schreibt sie.

Ihre streng religiösen Eltern nahmen die Nachricht erwartungsgemäß nicht so gut auf. Sie kämpften dagegen an, schickten Leelah zu "christlichen Therapeuten", die ihr sagten, sie sei "selbstsüchtig und im Unrecht".

Mit 16 hoffte Leelah vergebens auf die Einwilligung der Eltern für eine Geschlechtsangleichung. Je später damit angefangen wird, desto schwieriger ist es. "Ich hatte Angst, ich würde einfach aussehen, wie ein Mann in Frauen-Klamotten", schreibt sie weiter bitter. Sie musste bis 18 warten, um Maßnahmen einleiten zu können.

Es folgte, zum Teil aus Trotz, der erste Schritt an die Öffentlichkeit. Leelah outete sich als schwul, was im Freundeskreis überraschend gut aufgefasst wurde, ihre Eltern aber rasend machte. Leelah wurde von der Schule genommen, musste Smartphone und Laptop abgegeben und wurde komplett von ihren Freunden isoliert. "Ich war fünf Monate lang komplett alleine."

Nachdem dieser radikale Hausarrest aufgelöst wurde, war nichts mehr, wie es war. Leelah entkam dem Gefühl der Einsamkeit nicht mehr und fiel in eine Depression.

Der Ton im Abschiedsbrief kippt. Leelah wird trotzig, wütend und absolut verzweifelt.

Sie würde nie die Frau werden, die sie sein möchte. Sie würde niemals genug Liebe und Freundschaft in ihrem Leben finden. "Es gibt keinen Ausweg. Die Menschen sagen, dass es besser wird, aber in meinem Fall stimmt das nicht. Es wird schlechter. Jeden Tag geht es mir schlechter", schreibt sie.

Ihr letzter Wunsch ist, dass all ihr Geld und ihre Besitztümer Einrichtungen zur Hilfe von Transsexuellen genutzt werden. "Repariert die Gesellschaft. Bitte", sind ihre letzten Worte in dem Brief.

In einem weiteren Post gibt es noch einige direkte Nachrichten an Freunde und auch an die Eltern. Besonders letztere ist extrem bitter: "Fuck you. Ihr könnt andere Menschen nicht derart kontrollieren. Das ist total krank."

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