Neil PAtrick Harris

Neil Patrick Harris: "Ich lerne jeden Tag von meinen Kindern"

16.02.2017 > 10:54

© Wenn

Neun Jahre lang, in 208 Folgen, spielte Neil Patrick Harris (43) den Frauenaufreißer „Barney Stinson“ in der Erfolgsserie „How I met your mother“. 2014 kam das Aus. Neil Patrick Harris zog sich zurück, widmete sich wieder mehr seinem Privatleben. Im September 2014 heiratete er seinen langjährigen Lebensgefährten Eheman David Burtka (41). Die beiden sind Eltern der Zwillinge Gideon und Harper (*Oktober 2010), die sie von einer Leihmutter austragen ließen.

Nun kehrt Multi-Talent Neil Patrick Harris mit einer neuen Serie zurück auf den Bildschirm: In „A series of unfortunate events“ spielt er gleich mehrere Hauptrollen gleichzeitig, singt den Titelsong und ist zudem Co-Produzent. Im Interview mit STARS&STORIES gibt er offen wie nie Einblicke in sein Leben als Vater und verrät seine größte Angst.

 

In Ihrer Netflix-Serie „A series of unfortunate events“ (deutsch: „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“) spielen sie den düsteren Grafen Olaf. Wie hat es sich für Sie angefühlt, sich in dieser  Rolle mal von einer ganz anderen, düsteren Seite zeigen zu dürfen?

 

Neil Patrick Harris: Oh, ich habe es wahnsinnig genossen! Es macht Spaß, in die Haut einer düsteren Gestalt schlüpfen zu dürfen – besonders dann, wenn es sich um eine Art Märchen handelt. Die bösen Charaktere, die ich in der Vergangenheit gespielt habe, waren allesamt in der Realität verankert. Es waren Figuren, bei denen man sich fragen konnte: „Wie wurden sie so, wie sie heute sind?“ Selbst ein Serien-Killer ist eine Figur, deren Biografie in irgendeiner Weise nachvollziehbar ist. Bei Olaf ist das anders. Er ist die Verkörperung des Bösen. Es gab wenig, was ich tun konnte, das zu subtil hätte sein können. Es war mir eine große Freude, endlich einmal die Gelegenheit zu haben, so sehr zu übertreiben, wie ich es schon immer wollte. Olaf kann nicht böse genug sein – das macht den Spaß an dieser Rolle aus!

 

 

Sie mussten täglich zweieinhalb Stunden in der Maske verbringen, um sich in diese Figur zu verwandeln...

 

Ja, das war einerseits lästig, weil es so lange dauerte und ich extra-früh aufstehen musste. Andererseits war es auch ein sehr befreiendes Gefühl. Ich musste mich von allen eingefahrenen Mustern in meinem Spiel frei machen. Wenn ich mich normalerweise vor der Kamera bewege, bin ich mich sehr darüber bewusst, wie ich aussehe, welchen Ausdruck mein Gesicht annimmt, wenn ich mit dem Kinn nach unten gehe etc. Ich habe mein Gesicht sehr, sehr häufig auf dem Bildschirm gesehen! Wenn dein Gesicht aber plötzlich durch die Maske komplett anders aussieht, ist alles anders. Plötzlich war ich viel weniger eitel! Ich habe mir eine Glatze scheren lassen und ging 25 Tage lang komplett kahl durch die Welt.

Neil PAtrick Harris Glatze
Neil Patrick Harris als böser Graf Olaf

 

 

Sie spielen nicht nur Graf Olaf, sie schlüpfen auch in diverse andere Verkleidungen, wie die der verrückten Shirley oder des Kapitäns...

 

Ich stand 22 Tage als Frau verkleidet vor der Kamera. Als Kapitän hatte ich ein Holzbein und ein Gebiss aus Holz. Mein Atem war schlecht und ich sah fürchterlich aus – aber es war einfach wunderbar! Es war eine fantastische Erfahrung! So hässlich war ich noch nie – und es war toll!

 

 

Welches war Ihre Lieblingsverkleidung?

 

Ich denke, als Olaf hatte ich den meisten Spaß. Die anderen Figuren sind Verkleidungen, in die Olaf schlüpft, um die Kinder auszutricksen. Olaf ist ein mieser Schauspieler. Seine Verkleidungen sind geschmacklos und durchschaubar. Es war auch eine Herausforderung für mich, eine Brille tragen zu müssen, durch die man absolut nichts sah oder falsche Brüste, die viel zu hart waren und einen bei jeder Bewegung behinderten. Aber ich habe auch sehr viel gelacht in diesen Verkleidungen.

 

 

In der Serienbeschreibung heißt es, dass es sich um Geschichten handelt, die zeigen, wie lächerlich sich Erwachsene manchmal benehmen. Inwiefern benehmen Sie sich manchmal lächerlich?

 

Früher habe ich viele Dinge gemacht, die wirklich lächerlich waren. Aber seit ich Vater bin hat sich vieles in meinem Leben geändert. Ich versuche, vernünftige, elterliche Entscheidungen zu treffen. Darüber mache ich mir sehr viele Gedanken. Schließlich beurteilen mich meine Kinder danach. Umso mehr fällt es mir aber auch auf, wie lächerlich sich manche Erwachsene in meinem Alter benehmen, die keine Kinder haben.

 

 

Hat Sie das Vatersein zu einem ernsteren Menschen gemacht?

 

Nicht zu einem ernsteren, aber zu einem gewissenhafteren. Du kannst einen schlechten Tag haben und die Kaffeeverkäuferin anpöbeln, weil du miese Laune hast. Wenn du keine Kinder hast, machst du dir keine Gedanken darüber. Es ist dir egal. Wenn du Kinder hast, die dich dabei beobachten, wie du an einem schlechten Tag deine miese Laune überall verbreitest, ist es etwas anderes. Dann bist du deinen Kindern ein schlechtes Vorbild. Das will ich nicht. Ich bin aufmerksamer geworden, was mein eigenes Verhalten angeht und das der Menschen um mich herum.

 

 

Sie wollen Ihren Kindern also immer ein gutes Vorbild sein?

 

Ja, aber gut bedeutet nicht unbedingt permanent positiv. Ich sehe Eltern, die die ganze Zeit superhappy und grinsend mit ihren Kindern umgehen. Das ist nicht die Realität. Die Kinder werden eine böse Überraschung erleben, wenn sie entdecken, dass die Welt nicht immer so ist (lacht). Ich spreche mit meinen Kindern wie mit normalen, vernünftigen Menschen. Ich behandle sie mit Respekt und nehme sie ernst. Ich möchte ihnen eine gute Portion Humor mit auf ihren Lebensweg geben. Ich möchte, dass sie einen realistischen Blick auf die Welt bekommen.

 

 

Was war Ihre härteste Erkenntnis bei der Erziehung Ihrer Kinder?

 

Ich glaube, die härteste Erkenntnis ist, dass du das Verhalten deiner Kinder niemals wirklich verstehen wirst. Immer wenn du tief durchatmest und denkst, du hast sie durchschaut, zeigen sie dir eine ganz neue Seite von sich. Alles, was du bislang dachtest, es sei richtig für sie, gilt plötzlich nicht mehr. Du musst alles überdenken. Ich lerne jeden Tag genauso viel von meinen Kindern, wie ich ihnen selbst beibringe.

 

 

Sie sind als Schauspieler beruflich sehr stark eingespannt und haben eine Familie. Plagt sie manchmal das schlechte Gewissen, nicht genug Zeit für Ihre Kinder zu haben?

 

Mein Vater hat auch sehr viel gearbeitet. Ich finde es wichtig, dass Kinder Eltern haben, die arbeiten. Wenn ich die ganze Zeit bei ihnen wäre, würde ich ihnen wahrscheinlich sehr schnell auf die Nerven gehen. Mein Ehemann David und ich ergänzen und sehr gut. Wir sind ständig in Kontakt. Er schickt mir Videos von den Kindern, wenn ich unterwegs bin oder wir unterhalten uns über Videochat auf dem Computer. Ich war noch nie länger als zwei Wochen von meinen Kindern getrennt. Wir haben die Serie in Kanada gedreht und sie waren während der Hälfte der Dreharbeiten im Sommer am Set. Das funktioniert nur mit vielen Nachtflügen und Kompromissen. Aber es sind meine Kinder. Ich liebe sie und möchte so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen. Ich möchte, dass sie wissen, dass ich für sie da bin – auch, wenn ich physisch nicht immer in ihrer Nähe sein kann.

 

 

Hatten Ihre Kinder Angst vor Ihnen als sie Sie in der Verkleidung von Olaf gesehen haben?

 

Sie haben sich kaputt gelacht! Sie sahen mich jeden Tag so. Es war zum schreien: Ich saß halb im Kostüm, halb mit meinen echten Zähnen, halb mit Olafs Gebiss in meinem Wohnwagen und redete mit ihnen. Wir saßen zusammen beim Mittagessen und ich hatte meine verrückte Nase im Gesicht und diese wilde Frisur – es war wirklich verrückt! Da dachte ich manchmal schon: „Du führst ein wirklich bizarres Leben“ (lacht).

 

 

Die Geschichten basieren auf der Romanreihe von Lemony Snicket. Lesen Sie Ihren Kindern auch Gute-Nacht-Geschichten vor?

 

Oh ja! Mein Mann und ich lesen ihnen immer vor. Wir haben Ihnen bereits als Babys vorgelesen. Ich bin der größte Verfechter davon, seinen Kindern aus Büchern vorzulesen. Es ist sehr wichtig für die Entwicklung. Genauso finde ich es wichtig, Kinder mit ins Theater zu nehmen. Jeden Abend dürfen sich die beiden eine Geschichte aussuchen, die wir ihnen vorlesen. Sie sind jetzt sechs Jahre alt lernen selbst das Lesen – das ist das Aufregendste überhaupt! Ich kann es kaum erwarten, dass sie selbst lesen können! Ich habe als kleiner Junge unzählige Stunden im Buchladen oder der Bibliothek verbracht und gelesen. Nicht, weil ich für die Schule viele Bücher lesen musste, sondern weil ich es selbst wirklich wollte. Ich habe es geliebt, in Fantasie-Welten einzutauchen. Ich habe nie das Haus verlassen, ohne ein Buch dabei zu haben. Ich wünsche mir wirklich, dass meine Kinder diese Leidenschaft mit mir teilen.

 

 

Dürfen die beiden auch fernsehen?

 

Das kommt auf die Sendung an. Es gibt wenige kindgerechte Sendungen, die ich sie anschauen lassen. Gideon liebt die Trickfilme von „Lego“ und „Star Wars“. Harper mag mehr diese Mädchen-Serien. Sie schaut Barbie-Filme... aber ich mag diese seltsamen Computer-Barbies eigentlich nicht.

 

 

Spielt sie auch mit Barbie?

 

Ja. Aber noch viel mehr liebt sie die Figuren aus „Monster High“. Das sind Barbies, die von Vampiren gebissen wurden. Das sind superdürre Püppchen in Mini-Röcken mit riesigen Augen, die niemals etwas essen. Ich weiß nicht, ob diese Puppen die richtigen Vorbilder für meine Tochter sind, aber sie ist regelrecht besessen davon. Also lasse ich ihr den Spaß (lacht).

 

 

Bringen Sie Ihren Kindern etwas mit, wenn Sie auf Reisen sind?

 

Ja, aber sie wissen diese Geschenke inzwischen gar nicht mehr so zu schätzen, wie am Anfang. Noch ein Kuscheltier – aber da sind doch schon so viele (lacht). Wahrscheinlich habe ich die beiden zu sehr verwöhnt.

   

 

 

Die Eltern der Kinder in der Serie sterben bei einem Feuer. Fürchten Sie sich selbst davor, dass Ihnen etwas passieren könnte und Sie ihre Kinder nicht mehr aufwachsen sehen?

 

Um ehrlich zu sein, nicht wirklich. Ich habe eher immer Angst, dass den beiden etwas zustoßen könnte. Ich kenne Eltern, die ihre Kinder verloren haben. Das ist eine wirklich schreckliche Sache. Es ist einfach nicht die richtige Reihenfolge, wenn die Kinder vor den Eltern gehen.

 

 

Haben Sie Vorsichtmaßnahmen getroffen?

 

Wir leben in einem mehrstöckigen Reihenhaus in New York. Es gibt eine große Treppe, die die einzelnen Etagen miteinander verbindet. Ein Freund von uns, der bei der Freiwilligen Feuerwehr ist, riet uns, außen am Haus Feuerleitern anzubringen, weil die Kinder ihre Zimmer in einem der oberen Geschoße haben. Da wurde mir erst klar, wie fürchterlich es wäre, wenn in der ersten Etage ein Feuer ausbrechen würde und die Kinder nicht flüchten könnten! Also habe ich jetzt Rettungsleitern besorgt. So hat der Tod der Eltern in der Serie mein eigenes Leben beeinflusst!

   

 

 

Sind Sie ein sehr vorsichtiger Mensch?

 

Nicht wirklich. Ich lebe mein Leben seit jeher so, dass ich den negativen „Was wäre wenn“-Fragen wenig Bedeutung einräume. Ich habe wenige Ängste. Ich fürchte mich nicht, in ein Flugzeug zu steigen. Viel mehr Menschen sterben täglich in Autounfällen, als dass sie mit dem Flugzeug abstürzen. Ich bin auch schon mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug gesprungen. Wenn der sich der erste Schirm nicht öffnet, ist da immer noch der zweite! Und sollte dieser ebenfalls defekt sein, dann ist es vielleicht tatsächlich an der Zeit für dich zu gehen (lacht). Auch dann sollte man den freien Fall so lange es geht genießen – schlimm sind nur die letzten drei Sekunden.

   

 

 

Was ist Ihr Rezept für ein glückliches Leben?

 

Sich mit Menschen umgeben, die einen inspirieren und niemals denken, dass man alles gelernt hat, was es zu lernen gibt!

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