Die Selfie-Sucht trieb ihn in die Verzweiflung

Selfie-Sucht: Für Danny Bowman endete die Selbstinszenierung fast tödlich

30.05.2014 > 00:00

© instagram / Danny Bowman

"Ich war immer auf der Suche nach dem perfekten Selfie. Als ich realisiert habe, dass das nicht geht, wollte ich sterben. Ich verlor meine Freunde, meine Ausbildung meine Gesundheit und beinahe mein Leben."

Wenn Stars ihre Instagram-Profile mit Bildern fluten, gehört das klar zum Geschäft, aber in England ist nun der erste Fall eines wahrhaft Selfie-Süchtigen bekannt geworden.

Danny Bowman (19) schoss Tag für Tag um die 200 Bilder von sich selbst. Immer auf der Jagd nach dem perfekten Selfie.

Die Erkenntnis, dass es das perfekte Bild nicht geben wird, brachte ihn um den Verstand und beinahe ins Grab. Mit einer Überdosis an Tabletten wollte sich der verzweifelte Teenager umbringen, wurde aber von seiner Mutter Penny in letzter Sekunde gefunden und gerettet.

"Ich war überglücklich, wenn jemand etwas Nettes zu den Bildern schrieb und zu Tode betrübt, wenn es etwas nicht so Nettes war", beschreibt Danny den Teufelskreis, der ihn immer weiter Antrieb nach dem perfekten Bild zu streben. "Sie haben mir gesagt, dass ich nicht die Figur hätte, ein Model zu sein und dass meine Haut auch nicht gut genug wäre", erklärt er seine wachsende Unsicherheit im britischen "Mirror".

Zwei Jahre lang rutschte er die Spirale immer tiefer hinab. Er hungerte sich herunter, zog sich völlig zurück. Alles was zählte, waren die Selfies. "Mein Wecker ging und ich hatte schon zehn Bilder gemacht, bevor ich duschen ging. Zehn weitere danach und nochmal zehn, nachdem ich mich eingecremt hatte."

Mit 16 verließ Danny die Schule und seine Sucht geriet zu Hause noch mehr außer Kontrolle. Eines Tages war der absolute Tiefpunkt erreicht. "Ich hatte 200 Selfies an dem Tag gemacht und keines gefiel mir. Ich hab es nicht mehr ausgehalten und hab mir die Pillen reingeschüttet."

Momentan wird Danny behandelt wegen seiner Sucht nach technischen Geräten, Zwanghaftigkeit und Dysmorphophobie, einer schweren Störung der eigenen Wahrnehmung.

Sein behandelnder Arzt Dr. David Veal erklärt: "Das ist ein ernstes Problem. Das hat nichts mit Eitelkeit zu tun. Das ist eine geistige Erkrankung mit einer hohen Selbstmordrate."

Momentan ist Danny seit sieben Monaten "clean" und möchte nie wieder in die Sucht zurück.

"Es klingt so banal und harmlos, aber genau das ist es, was es so gefährlich macht. Es hat mich beinahe mein Leben gekostet, aber ich habe es überlebt und will nie wieder dahin zurück."

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