Moderator Andreas Jancke mit seinen Wild Girls.

Wild Girls: Plumper Klischee-Rassismus?

25.07.2013 > 00:00

© RTL / Skowski/Gregorowius

Die "Wild Girls" haben ihren Namen wirklich verdient. Denn wie die Wilden sind sie in ein namibisches Dorf eingefallen und begaffen dort, mit den Zuschauern, das Leben des einheimischen Stammes der Himba. Die hatten zwar vor der Sendung mit RTL verhandelt und waren sich mit dem Sender, nach dessen Aussagen, einig geworden, doch wahrscheinlich hatten sie keine Ahnung davon, was da auf sie zukommen würde.

Beim ersten Ankommen bestaunten sich die Ureinwohner und die "Wild Girls" gleichermaßen: Die C-Promis hatten bis dahin noch nie Vertreter der indigenen Bevölkerung in Natura gesehen, und umgekehrt sind auch die Himba noch nie Silikonbrüsten und derart künstlichen Personen begegnet. Das gemeinsame Beschnuppern war deshalb unerlässlich. Die Frauen des Stammes betatschten neugierig Kader Loths Busen und amüsierten sich über den Bart von Conchita Wurst.

Die "Wild Girls" hingegen gaben sich, medienerfahren wie sie sind, fasziniert von der Einfachheit und dem Glück, das die Himba angeblich ausstrahlen.

So mancher Zuschauer fragte sich: Ist das, was RTL da vorführt, eigentlich Rassismus? Wenn ja, dann ist es eine merkwürdige, und noch weitgehend unbekannte Form davon. Oder?

Jedenfalls wird bereits der erste Eindruck von Kritikern als rassistisch bezeichnet. Denn "arm aber glücklich" bedient ein gängiges Vorurteil und redet die Realität schön.

Weiterer Kritikpunkt: Aus den für die Himba wichtigen Aufgaben werden Spiele für die "Wild Girls" gemacht. Dieses Vorgehen würdigt die Bevölkerung herab, deren Überleben davon abhängt, diese Herausforderungen tagtäglich zu meistern.

Moderator Andreas Jancke ließ im Vorfeld der Sendung folgendes Statement zu den Herausforderungen für die Kandidaten verlauten: "Vor Ort gibt es natürlich Spinnen, Schlangen, Krokodile und Einheimische, mit denen sie eventuell nicht so gut klarkommen." Die Himba werden so den wilden Tieren gleichgesetzt - nicht gerade das, was man politisch korrekt nennt. Die Aussage macht gleich schon deutlich, was ein Problem der Sendung "Wild Girls" ist: Die klare Abgrenzung zwischen "wir" und "sie". Die "Wild Girls" sind die zivilisierten, die in einem hoch modernen Teil Welt leben, der, so wird es unterschwellig immer vermittelt, besser ist als der, in dem die Himba leben.

Politisch korrekt ist die Sendung tatsächlich nicht, kam auch Kritik von den Grünen. Sie verwiesen vor allem auf die Geschichte von Deutschland und Namibia, und die sieht nicht gerade freundschaftlich aus. "Wie Sie sicherlich wissen, wurden während der deutschen Kolonialzeit massive Verbrechen an den indigenen Völkern in Namibia begangen. (...) Es erscheint mir daher mehr als unpassend, eine derart auf kulturellen Klischees basierende Sendung ausgerechnet in Namibia spielen zu lassen", schreibt Ute Koczy, die entwicklungspolitische Sprecherin er Grünen in einer Anfrage an RTL, wie "Spiegel Online" berichtete.

RTL antwortete, dass Namibia gerade deshalb ein gutes Zief für die "Wild Girls" gewesen sei. "Da Fernsehen natürlich auch von schönen Bildern lebt, ist es unser Bestreben, unseren Zuschauern auch einen Eindruck von der unglaublichen landschaftlichen Schönheit und Vielfalt des Landes zu vermitteln", erklärte die RTL-Sprecherin Eickmeyer laut "Spiegel Online".

Vielen Zuschauern allerdings hat das Konzept sowie der Umgang mit der Situation trotzdem nicht gefallen - ein wichtiger, aber auch nicht der einzige Grund dafür, warum "Wild Girls" keine guten Quoten hat.

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