Christin R.: Verliebt in ihren Mörder!

Alle mochten sie. Das blonde Mädchen war hilfsbereit, zu jedem freundlich, selbstlos. „Wenn sie in einem Raum reingekommen ist, dann war der hell“, sagt ihr Vater Peter*. Am 21. Juni 2012 wird Christin R. aus Lübars bei Berlin brutal erdrosselt.

Christin R.: Verliebt in ihren Mörder!
Foto: DPA

Schon als Kind liebte Christin Pferde, auf einem Hof in Oranienburg lässt sie sich zur Pferdewirtin ausbilden. Hier trifft sie im Frühjahr 2011 den Pferdetrainer Robin. Christin ist 21 Jahre alt – und zum ersten Mal richtig verliebt. In einen Mann, der Pferde genauso sehr liebt wie sie! Man habe ihr angesehen, dass sie „wirklich glücklich“ war, erinnert sich ihre Mutter Eva*. Damals ahnte noch niemand, dass sich hier ein tödliches Drama anbahnt.

Robin hat einen Traum: den vom eigenen Pferdehof. Doch was er nicht hat, ist Geld. Trotzdem zieht er im Herbst 2011 auf einen Hof im Havelland, gepachtet von seiner Mutter Cornelia. Die beiden wollen Pferde verkaufen und reich werden. „Sie war sehr auf ihren eigenen Vorteil und den ihres Sohnes aus“, erinnert sich eine ehemalige Kollegin an Cornelia. Doch das große Geschäft bleibt aus – und weder der damals 23-jährige Robin noch Versicherungskauffrau Cornelia können die Pacht aufbringen. Rechnungen bleiben unbezahlt.

Auch die Liebe ist längst nicht mehr so rosarot, wie sie gehofft hatte. Manchmal verschwindet ihr Freund tagelang, taucht dann wieder auf, ohne Erklärung. Später wird klar: Er ist bei einer anderen Frau. Doch Christin bleibt bei ihm. „Es muss doch Liebe sein“, sagt sie zu ihrer Mutter. Was die junge Frau nicht weiß: Um Liebe ging es offenbar nie.

 

Christin R.: Opfer eines tödlichen Plans


Stattdessen wird Christin das Opfer einer eiskalten Verschwörung, die Mutter und Sohn zu Wohlstand verhelfen sollte: Am 1. Dezember 2011 setzt Christin gutgläubig ihre Unterschrift unter eine Risikolebensversicherung
über knapp 250.000 Euro. Der Begünstigte im Fall ihres Todes: Robin. Damit unterschreibt Christin vermutlich ihr Todesurteil. In der Folgezeit schließt das teuflische Mutter-Sohn-Duo sieben weitere Versicherungen
ab, indem sie Christins Unterschrift fälschen. Die ahnt nichts von all diesen Policen. Auszahlung im Todesfall: über zwei Millionen Euro!

Am 4. April unternimmt Cornelia den ersten Mordversuch an der Freundin ihres Sohnes: Während Robin zu einer videoüberwachten Tankstelle fährt, um sich ein Alibi zu verschaffen, stößt seine Mutter ihr zu Hause unvermittelt ein Messer in den Rücken. Christin wehrt sich – und hat Glück: das Messer verfehlt die Organe. Sie erstattet Anzeige gegen Cornelia, doch die Ermittlungen werden eingestellt: Weil sich Cornelia damit herausredet, dass sie ein Blackout gehabt hätte. Und weil Christin an ihrem Traum vom Glück mit Robin festhalten wollte, scheint sie zu verzeihen.

Wie könnte sie mit der Mutter ihrer großen Liebe brechen? Doch genau das erweist sich als verhängnisvoller Fehler. Für den zweiten Mordversuch beauftragt Robin seine Geliebte Tanja: die gelernte Fleischerin soll Christin vergiften und als Gegenleistung 50.000 Euro erhalten. Tanja verabredet sich unter dem Vorwand ein Pferd kaufen zu wollen mit Christin auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants. Sie trinken Sekt – doch Christins Getränk hat Tanja zuvor mit Kaliumchlorid versetzt, das Robin in einer Apotheke besorgt hatte. Wieder überlebt Christin. Denn was die Kriminellen nicht wussten: Die Chemikalie muss in die Blutbahn gespritzt werden, um tödlich zu sein.

 


Ein Auftragskiller soll den Plan vollenden


Zwei gescheiterte Mordversuche an seiner Freundin – und noch immer hat Robin nicht genug. Jetzt fragt seine Geliebte ihren Bruder Sven, ob der nicht jemanden kenne, der einen Auftragsmord begehen würde. Er kennt jemanden: Der damals 22-jährige Pizzabote Steven M. erklärt sich bereit, Christin für 500 Euro zu töten! Die Nacht vom 19. auf den 20. Juni 2012 verbringt Robin bei Christin im Haus ihrer Eltern. Von dort schickt er eine eiskalte
SMS an Tanja: „Kein Fehlschlag bitte, ein drittes Mal ist unmöglich.“

Für den nächsten Nachmittag bestellt er Christin zum Parkplatz des Freibads in Lübars. Es wolle ihr einen Scheck geben, weil er ihr noch Geld schulde. Und dass Tanja ebenfalls vor Ort sei und sich auf ein Wiedersehen freue. Christin willigt ein. Als sie aus ihrem Auto steigt, stürzt der Killer aus dem Gebüsch, würgt sie mit einem Seil. Minutenlang, bis sie stirbt. Robin und Tanja sehen alles mit an. Am nächsten Morgen findet eine Spaziergängerin
Christins Leiche im Gebüsch. Kurz darauf wird Robin H. festgenommen. Über dessen Handy führt die Spur zu seiner Geliebten – sie gesteht das Mordkomplott, „um die Bilder aus meinem Kopf zu kriegen“, wie sie später sagen wird.

Am 29. Januar 2015 verurteilt das Landgericht Berlin Robin und Cornelia H. wegen Mordes und zweifachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft. Auch Steven M. und Sven L. werden des Mordes bzw. Anstiftung zum Mord für schuldig befunden. Tanja L. wird wegen versuchten Mordes zu 14 Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. „Sie dachte, es sei Liebe“, sagen Christins Eltern unter Tränen vor Gericht. Ein Irrtum, den die junge Frau mit dem Leben bezahlte.

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Gepostet von Closer am Freitag, 1. Februar 2019