Resistente Killer-Keime: Dieses neue Gesetz soll helfen!

InTouch Redaktion
Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen
Foto: dpa

Gut ein Zehntel aller Keime gilt heute als multiresistent. Heißt, sie reagieren nicht mehr auf übliche Antibiotika und werden nicht abgetötet - der Mensch bleibt somit krank und stirbt im schlimmsten Fall.

Kurt Schulzke: Der Musiker stirbt an Klinik-Keimen!
 

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Infektionen mit den antibiotikaresistenten Bakterien führen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu zirka 25 000 Todesfällen weltweit pro Jahr. In Deutschland sind es jährlich 6 000 Menschen, die daran erkranken und sogar sterben. Vielen ist dieses Phänomen bekannt als Krankenhauskeime. Doch man muss sich nicht im Krankenhaus befinden, um an resistenten Bakterien zu erkranken.

 

Die Gefahr lauert in der Kühltheke

Diese Resistenzen können auch durch den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast entstehen und auf den Menschen übertragen werden. Laut US-Wissenschafter Lester A. Mitscher vom Department of Medicinal Chemistry (University of Kansas) werden rund die Hälfte aller hergestellten Antibiotika weltweit in der industriellen Tierhaltung verwendet. Dort werden sie als Wachstumsmittel eingesetzt und sollen die Tiere vor schwerwiegenden Krankheiten schützen.

Durch diesen Masseneinsatz an Medikamenten ist die Gefahr erhöht, dass sich Bakterien gegen bestimmte Antibiotika immunisieren. So gelangen die Resistenten Keime auch in unsere Fleischtheke. Nicht nur Steak, Hack und Co. sind betroffen, sondern auch der tägliche Aufschnitt, wie Salami oder Putenbrust bergen Risiken.

 

Erste Gesetze traten bereits 2006 in Kraft

2006 wurde bereits ein Gesetz in der EU verabschiedet, dass den Menschen vor den Keimen schützen sollte: eine Mindest-Wartezeit zwischen der Vergabe von Antibiotika und der Schlachtung eines Tieres sollte eingehalten werden. Doch das hat die Ansteckungsgefahr noch lange nicht gebannt.

Aus diesem Grund hat nicht nur die WHO, sondern auch das Bundesgesundheitsminesterium in Deutschland eine Antibiotika-Resistenzstrategie 2020 (DART 2020) erarbeitet. "Sie sieht verschiedene Maßnahmen vor, die parallel in der Human- und Veterinärmedizin ansetzen. Außerdem soll die Strategie dazu beitragen, die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und schnellerer Testverfahren zu verstärken." heißt es so in einer offiziellen Mitteilung des Bundesgesundheitsminesteriums von 2015.

 

Regelung ab dem 1. März 2018

Ab 1. März tritt ein weiterer Punkt der DART 2020 in Kraft: Es sollen die Erstattungsregelungen für diagnostische Verfahren verbessert und die Besonderheiten von Antibiotika im Festbetragssystem abgebildet werden. Festbeträge sind Höchstpreise für bestimmte Arzneimittel-Wirkstoffgruppen. Das bedeutet, es sollen sogenannte Reserveantibiotika von der Festbetragsgruppenbildung ausgenommen werden, damit es sich für Pharmahersteller lohnt, neue Wirkstoffe zu entwickeln.

Heißt, das Bundesgesundheitsministerium möchte die Entwicklung von neuen Antibiotika fördern, um der Resistenzbildung entgegen zu wirken. Denn die Pharmaindustrie würde für neu entwickelte Reserveantibiotika (Antibiotika, die zum Einsatz kommen, wenn gängige Antibiotika nicht mehr wirken) wieder mehr Geld bekommen.