Jens Hilbert: Sein Freund fängt ihn auf

Schrill, schräg - und überaus erfolgreich. Der Unternehmer Jens Hilbert aus Hessen ist ein echter Tausendsassa.

Jens Hilbert Promi Big Brother 2017
Foto: Sat.1

Mit dem Haarentfernungs-Unternehmen Hairfree machte er Millionen, er schreibt Bücher und gibt Marketing-Seminare. Im Interview mit neue woche verrät der Selfmade-Mann, wie steinig sein Weg zum Erfolg war.

 

Sie sind ein bunter Vogel und fallen gerne auf. War das schon immer so?

 

Jens Hilbert: Nein, überhaupt nicht! Ich war zwar schon immer anders, habe lieber mit Puppen und Ponys gespielt als mit Autos. Aber ich komme aus einem 600-Seelen-Dorf im Odenwald - da eckt man dann automatisch an. Seit ich denken kann, wurde ich ausgelacht, gemobbt und ausgegrenzt. Ich galt als Außenseiter, habe die Schule gehasst. Es war der pure Spießrutenlauf.

 

Wurden Sie von den Mitschülern schikaniert?

 

Jens Hilbert: Permanent. Meine Klassenkameraden wollten mit mir nichts zu tun haben und die Älteren haben mich richtig in die Mangel genommen. Jede Pause haben sie an der Treppe auf mich gewartet, haben mich beschimpft, einmal wurde ich sogar bespuckt und getreten. Jeden Tag!

 

Wie sind Sie damit umgegangen?

 

Jens Hilbert: Ich habe die Schule gewechselt, aber es wurde nicht besser. Denn das Problem war eigentlich nicht ich, sondern die Prägung der Kinder. Das ist jetzt 25 Jahre her - und trotzdem muss ich auch heute noch Beleidigungen einstecken, weil ich anders aussehe als die meisten.

Promi Big Brother: Jens Hilbert wurde früher gemobbt!
 

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Was ist passiert?

 

Jens Hilbert: Neulich war ich in Dortmund am Hauptbahnhof und habe fiese Beschimpfungen gehört wie "Du tussige Tunte", "Du Schwuchtel". Aber heute kann ich damit anders umgehen, ich drehe mich um, antworte ruhig und freundlich und nehme damit den Lästermäulern den Wind aus den Segeln. Das ist aber lange antrainiert, sowohl innerlich als auch rhetorisch. Früher als Schüler wollte ich extra männlich wirken, habe maskulines Laufen geübt, bin aus Trotz in den Fußball- und in den Schützenverein eingetreten. Ich wollte allen zeigen: Ich bin ein Mann wie ihr.

 

Heute machen Sie das Gegenteil. Ihre Kleidung, Ihr Stil, Ihre Lebensweise - alles ist exzentrisch, schrill, anders. Ist das Absicht?

 

Jens Hilbert: Exakt. Denn heute bin ich in der Mitte bei mir. Ich habe meine vermeintlich größte Schwäche zu meiner größten Stärke gemacht. Meine Mode, meine Art mich zu präsentieren und die damit verbundene Attitüde ist genau das, was ich eigentlich bin. Ich denke, auch deshalb habe ich so großen Erfolg, weil die Menschen merken, dass ich nicht verkleidet bin, sondern im Reinen mit dem, was ich tue.

 

 

Jens Hilbert: Ich wollte nie mehr das Opfer sein

 

Gibt es denn den kleinen, verletzten Jungen noch?

 

Jens Hilbert: Leider ja. Das ist eine so lange, so prägende Phase meines Lebens, die kann ich nicht mal eben über Bord werfen. Aber ich habe das ganz gut im Griff. Ich bekomme viel positives Feedback von außen und arbeite regelmäßig an meinem Selbstwertgefühl. Letzten Endes bin ich aus dem eigenen Schmerz meines Lebens heraus Coach geworden. Eigentlich nur, um mich weiterzuentwickeln, damit ich nicht noch einmal in die Opferrolle rutsche.

 

 

Wie lange hat es gedauert, bis Sie so selbstbewusst sein konnten?

 

Jens Hilbert: Ich hatte furchtbare Phasen, fühlte mich schlecht, dachte, ich sei nichts wert. Weil ich mein Leben lang als "Schwuchtel" beschimpft wurde, habe auch ich mir erst mit 28 Jahren eingestanden, dass ich schwul bin. Es war der Scheitelpunkt meines Lebens, ich sage sogar mein eigentlicher Karriere-Booster. Immer hatte ich gehört, dass ich nichts kann - bis ich entschieden habe: Doch! Ich kann alles erreichen, was ich will. Ich glaube an mich.

 

Ging's dann bergauf?

 

Jens Hilbert: Und wie. Ich bin vom Opfer zum Macher geworden, vom Versager zum Entscheider. Da kam Privates und Berufliches zusammen. Ich habe mich endlich geoutet und gleichzeitig Hairfree aus einem kleinen Kosmetik-Stübchen zum millionenschweren Flaggschiff aufgebaut.

 

Wie leben Sie heute?

 

Jens Hilbert: Ich habe mir eine Jugendstilvilla im Mühltal bei Darmstadt gekauft und meine Eltern bei mir aufgenommen, da sie ihr Haus aus finanziellen Gründen verkaufen mussten.

 

Und in der Liebe?

 

Jens Hilbert: Ich bin seit fast vier Jahren sehr glücklich mit meinem Freund Ulli zusammen. Er ist ganz anders als ich: Er sieht keine Marken-Anzüge, keine Designer-Schuhe, er sieht nur Jens. Auch mit meinen Auftritten in der Öffentlichkeit kann er nicht viel anfangen. Als ich ihm neulich ein Foto von mir und Claudia Effenberg von einer Gala geschickt habe, schrieb er nur: "Ist das nicht diese Helene Fischer?" Wir haben eigentlich nichts gemeinsam außer unserer Liebe - aber die verbindet unsere beiden Universen!

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