Candace Cameron Bure: "Meinen ersten Kuss hatte ich vor der Kamera"

Eine Kultserie kehrt auf den Bildschirm zurück! „Fuller House“ lautet der Titel der Neuauflage der US-Sitcom „Full House“ aus den 90-er Jahren.

Candace Cameron Bure spielt bei Fuller House eine Hauptrolle
Candace Cameron Bure spielt bei "Fuller House" eine Hauptrolle Foto: Netflix

Wir erinnern uns: Die Zwillinge Mary-Kate und Ashley Olsen (30) machten hier bereits als Babys ihre ersten Schritte vor der Kamera; Teenager waren verrückt nach dem coolen „Onkel Jesse“ (John Stamos, 53); Mädchen wollten so sein wie die älteste Tochter der Familie, „DJ Tanner“, gespielt von Candace Cameron-Bure (40). Von 1987 bis 1995 (in Deutschland ab 1992) erlebten die Fans Woche für Woche Freude und Leid der Großfamilie.

Mehr als 20 Jahre später steht die inzwischen erwachsene „DJ Tanner“ im Fokus der Geschichte. Sie ist in der Serie inzwischen verwitwet und Mutter von drei Söhnen. Nach dem Tod ihres Mannes zieht sie zurück in ihr Elternhaus nach San Francisco – und das Chaos bei den „Tanners“ nimmt erneut seinen Lauf... Auf Netflix kann man sich die zwei Staffeln von "Fuller House" ansehen.

STARS&STORIES traf Hauptdarstellerin Candace Cameron Bure zum Interview in Berlin. Die 40-Jährige erzählt davon, wie es war ihre Kindheit vor der Kamera zu verbringen, gesteht ihre Ess-Störung und verrät, warum es ihr heute besser geht, als je zuvor im Leben.

Candace, wie hat es sich angefühlt, 20 Jahre später noch einmal in die Rolle der „DJ Tanner“ zu schlüpfen?

Cameron Candace Bure: Es war ein tolles Gefühl! Es war so, als würde ich nach vielen Jahren wieder auf ein Fahrrad steigen – ich hatte nichts verlernt! Ich habe DJ so viele Jahre meines Lebens gespielt. So etwas vergisst man nicht. Niemals! DJ ist ein wichtiger Teil von mir.

Sie wuchsen mit DJ auf.

Genau! Alles, was sie in der Serie erlebte – den ersten Liebeskummer, Pubertät, Probleme in der Schule – erlebte ich parallel im wahren Leben. Es war eine aufregende Zeit.

Wie war es mit dem ersten Kuss?

Meinen ersten Kuss hatte ich tatsächlich vor der Kamera (lacht). Da war ich 13 und hatte im wahren Leben noch keinen Freund.

Mussten Sie lange davon überzeugt werden, bei der Fortsetzung der Serie mitzumachen?

Nein, ich habe sofort „Ja“ gesagt. Wir haben schon lange im Vorfeld über ein mögliches Comeback der Serie gesprochen. Aber wir mussten den richtigen Zeitpunkt abwarten. Die Fans haben immer wieder danach gefragt.

DJ ist jetzt das Familienoberhaupt und versucht, als Mutter alles perfekt zu machen. Wie viel von DJ spiegelt sich in Candace wider?

Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen uns. Ich jedoch bei weitem keine so große Perfektionistin, wie sie es ist. Ich bin nicht schlaumeierisch wie sie. DJ legt großen Wert darauf, dass nach außen hin immer alles perfekt ist – so bin ich nicht. Wir sind beide tatkräftige Personen. Wir versuchen stets, das Beste aus jeder Situation zu machen. Manchmal verkrampfen wir uns dabei und sind gestresst – dann brauchen wir unsere Freunde, die uns aus dieser Situation wieder heraus helfen. Das verbindet DJ und mich.

Fühlen Sie als Frau den Druck von außen, immer perfekt zu sein – als Mutter, Ehefrau, Hausfrau, im Beruf...?

Diesen Druck kennen wir alle! Je älter ich werde, umso mehr habe ich zu mir selbst gefunden. Heute weiß ich, welche Dinge wichtig sind und welche nicht. Ich lasse los von diesem Druck! Ich sage immer: Sich mit anderen zu vergleichen, ist der Dieb der Freude. Man muss damit aufhören, immer nur zu sehen, was die anderen machen und schaffen. Jeder Mensch ist anders. Du musst deinen eigenen Weg gehen und darfst dich nicht von den anderen beeinflussen lassen.

Aber ist das nicht auch etwas, das tief in jedem von uns verankert ist: Der Vergleich mit den anderen?

Ja, das ist. Aber man muss lernen, sich davon frei zu machen. Man muss dankbar und glücklich sein für das, was man selbst erreicht hat. Es bringt nichts, immer zu den anderen zu schielen.

Klingt nach einem verdammt langen Weg...

Nein! Es kommt immer darauf an, wie wichtig es dir ist, davon loszulassen oder wie sehr dich diese Situation stresst. Ich bin jetzt 40. Irgendwann in meinen 30-ern habe ich gelernt loszulassen. Es war ein längerer Prozess, bis ich den Hebel endlich umlegen konnte. Ich muss mich jedoch ebenfalls von Zeit zu Zeit wieder selbst daran erinnern, nicht in die alten Verhaltensmuster zurückzufallen.

War der 40. Geburtstag ein Wendepunkt in Ihrem Leben?

Ich war in der Tat etwas nervös vor dem runden Geburtstag. Inzwischen fühle ich mich großartig. Ich habe meine 30-er mehr geliebt als meine 20-er. Ich hoffe, dass es sich weiter steigert und ich meine 40-er noch viel mehr lieben werde! Ich habe mich niemals besser gefühlt als heute! Ich bin mental, körperlich und spirituell so gut drauf wie nie zuvor! 40 ist ein gutes Alter!

Was sind die positiven Aspekte am Älterwerden?

Man gewinnt an Weisheit. Du fühlst dich plötzlich viel wohler mit dir selbst. Es wird dir mehr und egal, was andere über dich denken. Für mich war dies ein langer Weg, weil ich jemand der bin, der anderen gerne gefallen möchte. Ich wünsche mir, dass jeder mich mag. Mit zunehmendem Alter erkennst du, dass dies jedoch überhaupt nicht wichtig ist. Das Leben ist zu kurz – es ist unmöglich, es allen recht zu machen! Ich fühle mich heute wohler in meiner eigenen Haut, als in meinen 20ern. Das kann nicht jeder von sich behaupten!

Leben Sie besonders gesund und treiben Sie Sport?

Ja! Gesundheit und Fitness sind sehr wichtig für mich. Als Teenager hasste ich Sport und habe mich nicht besonders gesund ernährt. Es fühlte sich an wie Folter! Je älter ich wurde, je mehr Spaß habe ich an einer gesunden Lebensweise gewonnen. Heute habe ich große Freude daran – aber wahrscheinlich deshalb, weil ich mich wirklich besser fühle dadurch. Wenn ich gestresst bin von der Arbeit oder mich als Mutter überfordert fühle, gehe ich raus und jogge. Ich schwitze meinen Stress einfach raus.

Es heißt, Sie litten früher auch unter Ess-Störungen?

Ja, da war ich 19. Meine Ess-Störung hatte jedoch nichts damit zu tun, dass ich mich zu dick fühlte und abnehmen wollte. Ich war damals voller Ängste. Ich habe mich mit Essen getröstet, wenn ich mich einsam fühlte. Ich war gerade frisch verlobt und mit meinem Mann in eine andere Stadt gezogen. Er war als Eishockey-Spieler ständig unterwegs und ich saß zuhause. Also habe ich gegessen, um mich besser zu fühlen und mit der Zeit eine Bulimie entwickelt. Aber das ist lange her und heute geht es mir sehr, sehr gut!

Sind sind berufstätige Mutter von drei Kindern. Wie schaffen Sie es, sich Freiräume für sich selbst zu schaffen?

Mein Tag ist vollgepackt, das stimmt! Ich pendle Woche für Woche zwischen Kalifornien, wo ich lebe, und der Ostküste, wo ich arbeite. Wenn du es wirklich willst, kannst du dir Freiräume schaffen für dich selbst. Mein Sport ist mir wichtig – also räume ich mir Zeit dafür ein. Ich sage dann lieber andere Termine ab oder lege sie so, dass ich eine Stunde am Tag für mich habe. Das hat oberste Priorität.

Sie waren fünf Jahre alt, als sie das erste Mal vor einer Kamera standen. Haben Sie es vermisst, eine richtige Kindheit zu haben?

Nein, überhaupt nicht. Das war meine Kindheit! Ich kannte es nicht anders. Ich habe mein Leben als völlig normal wahrgenommen. Ich liebte mein Leben wie es damals war und hätte es für nichts in der Welt eingetauscht. Ich habe schon sehr früh erkannt, dass ich die Chance hatte als Kind Erfahrungen zu machen, die andere Kinder meines Alters nicht machen durften. Es hat mir großen Spaß gemacht, jeden Tag zu Arbeit zu gehen. Ich habe die Leute am Set gemocht. Ich habe ausschließlich positive Erfahrungen gemacht und bereue nichts!

War es Ihr eigener Wunsch, als Kind vor die Kamera zu gehen oder wurden Sie von Ihren Eltern dazu gedrängt?

Meine Eltern haben mich niemals zu irgendetwas gezwungen. Mit fünf Jahren wusste ich nicht wirklich, was ich da tue. Meine Mutter fragte mich, ob ich Lust hätte, einen Werbespot zu drehen. Wenn ich es nicht gewollte hätte, hätte ich es nicht machen müssen. Die Schauspielerei hat mir von Anfang an großen Spaß gemacht. Meine Eltern haben mir immer die Wahl gelassen, ob ich weitermachen möchte oder nicht. Ich hätte jederzeit aufhören können. Ich wollte es jedoch nicht!

Waren Sie süchtig nach der Kamera?

Süchtig ist das falsche Wort. Es war ein Abenteuer – wahnsinnig aufregend für mich! Mit zehn Jahren bekam ich die Rolle in „Full House“. Da wurden die Weichen gestellt. Von da an, war die Schauspielerei ein Vollzeit-Job. Ich wäre heute nicht mehr im Business, wenn ich als Kind keine guten Erfahrungen gemacht hätte.

Aber war es nicht hart zu sehen, dass Ihre Freunde ausgingen, Spaß hatten und Sie arbeiten mussten?

Natürlich war ich manchmal enttäuscht. An manchen Tagen hätte ich sicherlich lieber etwas mit meinen Freunden unternommen. Aber ich hatte immer noch die Wochenenden! Und meine Freunde mussten schließlich auch zur Schule gehen unter der Woche und konnten dann nicht auf Partys. Die Sommerpause war mir immer heilig. Ich hatte jedes Jahr zwei Monate im Sommer frei, in denen ich ein ganz normales Kind sein konnte. Ich habe nichts vermisst! Ich habe mir das Beste aus beiden Welten genommen.

Ihre Kinder sind alle im Teenager-Alter. Zieht es die drei ebenfalls vor die Kamera?

Meine beiden Jungs haben kein Interesse daran. Meine Tochter hat bereits erste Erfahrungen als Schauspielerin gemacht. Sie ist jedoch mehr eine Sängerin. Sie möchte gerne auf einer Bühne stehen und singen. Sie hat gerade bei „The Voice“ in den USA mitgemacht. Ich bin offen für alles, was meine Kinder machen möchten. Wenn sie ins Showbusiness gehen möchten, werde ich sie dabei unterstützen. Niemand könnte ihnen mit besserem Rat und Tat zur Seite stehen, als ich.

Sie kennen auch die Risiken und Gefahren, die das Showbusiness mit sich bringt...

Hat nicht jeder Beruf seine Gefahren? Ganz egal, was du tust? Ich glaube, es geht vor allem darum, seine Leidenschaft auszuleben und das zu tun, was man liebt. Dann hat man genug Energie, um alles zu schaffen, was man möchte. Es gibt immer eine Alternative, wenn das Showbusiness dich nicht glücklich macht...

Ihr Lebensmotto lautet „Gut zu sein, ist nicht genug“. Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen?

Dieser Satz hat zu tun mit meinem christlichen Glauben. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Wir alle können den Himmel nicht allein durch gute Taten erreichen, sondern nur in Verbindung mit unserem Glauben an Gott. Die meisten von uns sind gute Menschen – aber nicht alle glauben an Gott. Es geht darum, den Glauben auch zu praktizieren.

Hilft Ihr Glaube Ihnen, Krisen durchzustehen?

Ohne meinen Glauben, wäre ich nichts! Er hilft mir in jeder Lebenslage!