Tatjana Gsell: Selbstmord-Drama um die Dschungelcamp-Kandidatin

Tatjana Gsell stand 13 Jahre unter Verdacht, ihren Ehemann, den Schönheitschirurgen Franz Gsell (+ 76), ermordet zu haben. Erst Ende 2014 wurde sie endgültig freigesprochen.

Tatjana Gsell
Foto: MG RTL D

In "Closer" spricht die Witwe erstmals offen über die Anschuldigungen, ihre Zeit in der U-Haft und was sie heute alles bereut.

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Sie wurden beschuldigt, Ihren Mann ermordet zu haben. Wie hat sich das angefühlt?

Das war eine Ohnmacht! Du verstehst die Welt nicht mehr und denkst, das kann jetzt nicht wahr sein! Es war verletzend und hat viel in meinem Leben kaputt gemacht. Man braucht eine unglaubliche Kraft, mit dem Vorwurf zu leben.

Können Sie sich vorstellen, warum Sie für die Ermittler jahrelang als Mörderin Ihres Mannes infrage kamen?

Mein Mann war 47 Jahre älter als ich. Aber warum darf man nicht einen Mann lieben, der älter ist? Ich habe halt einen Vaterkomplex. Franz war für mich alles: Vater, Ehemann, bester Freund. Aber es hat für die Leute natürlich ins Bild gepasst: Junge Frau angelt sich reichen, älteren Mann.

 

Tatjana saß monatelang im Gefängnis

Sie saßen damals sieben Monate in U-Haft. Wie kam es dazu?

Die Ermittler wurden immer aggressiver. Ich wurde plötzlich von der Zeugin zur Beschuldigten. Bis ich in eine Verkehrskontrolle geriet, bei der mir gesagt wurde, dass gegen mich ein Haftbefehl vorliegt. Ich musste mein Auto am Straßenrand stehen lassen und wurde sofort in eine Zelle gesteckt.

Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich dachte immer, das wäre alles ein Traum und jeden Moment geht die Tür auf und die sagen, sie hätten sich vertan! Ich habe dagegen angekämpft und versucht, die Ermittler von meiner Unschuld zu überzeugen. Es gab in der ersten Zeit mehrere Nachtverhöre, in denen ich ein Geständnis ablegen sollte. Mir hat kein Mensch geglaubt!

Wie sah Ihr Alltag in der U-Haft aus?

Ich habe dort vor mich hin vegetiert. Morgens musste man recht früh aufstehen, dann gab's Frühstück, später Mittagessen in einer Art Gemeinschaftsraum. Anschließend eine Stunde Hofgang. Am Abend nach dem Essen gab es noch mal eine knappe Stunde "Aufschluss", wo man sich frei innerhalb der geschlossenen Abteilung bewegen konnte. Zwischendurch habe ich in meiner Zelle viel geschrieben und gebetet. Ich habe auch viel zu Franz gesprochen und ihn angefleht, mir zu helfen.

Wie haben Sie das alles verkraftet?

Ich habe kurz mit Therapeuten gesprochen. Das Problem war, dass ich den Tod meines Mannes ja gar nicht richtig verarbeiten konnte. Nach dem Überfall war er zwei Wochen im Krankenhaus, fiel anschließend ins Koma und ist vier Monate später an multiplem Organversagen gestorben. Ich konnte mich nicht mal von ihm verabschieden.

 

Tatjana Gsell bereuht viele Fehltritte in der Vergangenheit

Wer stand Ihnen in diesen Zeiten zur Seite?

Meine Familie. Die hat immer an mich geglaubt, hat mich geliebt und hat mir Kraft gegeben. Ich war am Boden zerstört und konnte nicht mehr. Ich hatte Selbstmordgedanken und wollte einfach nicht mehr. Es ging ja nicht darum, dass man mal zu schnell gefahren ist. Ich wurde anfangs wegen Anstiftung zum Raub, später wegen versuchten Versicherungsmissbrauchs beschuldigt. Und trotzdem stand meine Familie immer hinter mir. Wirkliche Freunde hat man eh keine.

Was bereuen Sie heute am meisten?

Die Zeit nach der U-Haft war keine Glanzleistung - ich habe viele Fehler gemacht. Ich hatte falsche Berater, falsche Freunde. Es gab definitiv zu viele Partys, meine Beziehung mit Ferfried (Anm. d. Red.: Ferfried Prinz von Hohenzollern) und die dazugehörige Doku-Soap waren peinlich. Ich hätte mich auch nicht zweimal für das "Penthouse"-Magazin ausziehen und schon gar nicht für die Erotik-Messe Venus werben sollen. Das ist nicht sehr glücklich verlaufen ...

2008 haben Sie einen Unfall unter Einfluss von Alkohol und Kokain verursacht. Wie kam es dazu?

Ich habe gedacht, dass ich dadurch den Schmerz verdrängen kann. In dem Moment hat das ja auch geklappt: Man war glücklich und sorgenfrei. Wenn ich aber heute darüber nachdenke, war es völliger Schwachsinn! Es war wahrscheinlich ein Hilferuf - aber auf dem falschen Weg.

Wie leben Sie heute?

Komplett anders! Ich lebe zurückgezogen mit meinem Chihuahua Rudi in London, bin ein absoluter Familienmensch, mache viel Sport. Ich bin vielleicht auch ein bisschen langweilig geworden.